1. Juli 2008
Ein Jahr Laufblog!
Das muss natürlich gefeiert werden!
Wie?
Dumme Frage, natürlich mit einem Lauf!
Aber was für einer?
Hmmm…
Prinzipiell kamen hier zweienhalb Varianten in Frage:
1) Entweder genau die Strecke, mit der wir vor einem Jahr gestartet sind…
2a) … oder was Neues, so richtig krasses, ein langer, weiter, anstrengender, mutiger Magnum-Lauf irgendwohin, wo ich noch nie gewesen war…
2b) … oder was Neues, aber nicht so ambitioniert, eine schöne, nette, kleine Strecke zur Vervollständigung des Laufnetzes irgendwo in der Nähe.
Auf 1) hatte ich eigentlich keine Lust. Auf dem Frankenstein war ich gerade erst vor ein paar Wochen gewesen, das musste nicht noch mal sein.
2a) wäre schon ganz nett gewesen, da habe ich schon seit längerem eine richtig lange Bergtour durch den nördlichen Odenwald ins ferne Bayern in Petto, von Brensbach bis nach Wörth am Main, die bestens zum Jubiläum gepasst hätte (denn in Bayern war ich bisher noch nie unterwegs). Aber das war mir ehrlich gesagt zu viel: 27+ Bergkilometer am Stück sind eine Menge Holz, und heute war zudem auch noch einer der heissesten Tage des Jahres, mit stickigen Temperaturen weit über 30 Grad und einer gnadenlos runterbrennenden Sonne - das war einfach nicht praktikabel.
Blieb also noch 2b): Ein schöner, entspannter Lauf, in der Nähe aber auf neuen Wegen.
Und ich wusste auch schon genau wo:
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1. Juli 2008
Kinder, heute isses soweit!
EIN JAHR LAUFBLOG!
Genau vor einem Jahr, am. 1.7.2007 ist unser erster Blogeintrag (geschrieben von Ingo, mit der ganzen, kurz angebundenen Präzision eines jungen Ernest Hemingway) online gegangen.
Und was für ein spannendes, schwieriges, tolles, interessantes, anstrengendes Jahr das war!
Überall gewesen. Marathon geschafft. Viele Nette Leute kenngelernt. Aussenband abgerissen. Und und und…
Dabei muss ich gestehen, dass ich am Anfang eher skeptisch war. Die Idee zum Blog stammte nämlich nicht von mir, sondern von meinem guten Freund und ehemaligen Laufpartner Ingo.
Ursprünglich angefangen hat das Ganze wohl vorletzten Februar: Ingos Geburtstagsparty, wir plauschen ein bisschen über Dies und Das, unter anderem übers Laufen.
Ingo meint, dass er ja auch gerne mal richtig anfangen würde.
Ich meine, dass wir ja einfach mal zusammen laufen können (nicht in so klaren Worten, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwei straff gemixte zwei Gin Tonics intus und vertrage nicht viel, entsprechend hab´ ich wahrscheinlich eher sowas wie “sssjadannkmmdcheinfchmamitunwirlaufndannmazusamm´” gelallt, bevor ich dann irgendwann unkoordiniert-beschwingt nach hause gewankt bin. Aber Ingo hat´s verstanden. That´s how history´s made, folks!
).
Und das haben wir dann gemacht.
Nachdem ich im Mai ´07 meinen ersten Marathonversuch wegen Muskelproblemen hatte abbrechen müssen, einigten wir uns dann darauf, dass wir zusammen unseren ersten Marathon schaffen wollten, und von nun an dafür trainieren würden.
Auch das haben wir dann gemacht.
Immer weitere Distanzen, immer neue Strecken, schöne Zeit.
Und irgendwann Mitte Juni meinte Ingo dann, wir könnten unsere Marathonvorbereitung doch eigentlich im Internet dokumentieren, in Form eines Blogs.
Wie gesagt: Ich war skeptisch.
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29. Juni 2008
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29. Juni 2008
Einer der unendlich vielen Gründe, warum ich so gerne im Odenwald laufe, liegt darin, dass er zu Fuß eine völlig andere Geographie zu haben scheint als mit dem Auto.
Das ist wie mit einem Puzzle, das man auf zweierlei Arten zusammensetzen kann (oder vielleicht eins von diese Optische-Täuschungs-Bildern: Zwei Gesichter oder eine Vase?):
Zuerst mal gibt´s da die Kraftfahrerart, bei der man den langen, gewunden Landstrassen durch die Täler folgt (oftmals mit ordentlichen Umwegen), und nur selten mal über einen Pass von einem ins andere wechselt. Dadurch erlebt man die Gegend oft als eine Serie von schlauchartigen Tälern, die man untereinander kaum in Verbindung bringt. Was “Weit weg” und was “Nah” ist, hängt weniger von der objektiven Entfernung zwischen den Orten ab, sondern vielmehr davon, wie weit/nah/verschlungen/direkt der Fahrweg zwischen ihnen ist. Nehmen wir als Beispiel mal Gronau im Meerbachtal und Ober-Hambach hinter Heppenheim. Die sind gerade mal 2 km Luftlinie voneinander entfernt. Wenn man als Autofahrer allerdings von einem zum anderen möchte, muss man 13 km fahren, und dabei 4 andere Orte durchqueren - dass es eigentlich Nachbardörfer sind, würde einem dabei kaum in den Sinn kommen.
Entsprechend hat man als Autofahrer ein ganz eigenes Bild vom Odenwald, das zwar nicht falsch ist, aber eben irgendwie leicht verzerrt, weil es nicht so sehr von der objektiven Geographie geprägt ist, als vielmehr davon, wie die befahrbaren Strassen verlaufen.
Ganz anders als Läufer: Da muss man sich nicht um Täler und Strassen scheren, kann stattdessen frei und ungehindert geradewegs über Anhöhen und durch die Wälder laufen - und plötzlich sieht das scheinbar vom Autofahren bekannte Puzzle ganz anders aus, die seltsamen Verwerfungen der Landstrassenführung glätten sich auf einmal, man wird vom Odenwald regelrecht überrascht: Da läufst du von einem bekannten Ort aus über einen Berg und aus dem Wald raus, und findest dich auf einmal staunend über einem anderen bekannten Ort, den du irgendwie ganz woanders vermutest hättest, und auf einmal macht´s “klick” im Kopf, und dein Bild von der Umgebung hat sich mit einem mal völlig verschoben.
Unheimlich spannend und faszinierend, und es passiert zumindest mir immer noch, obwohl ich mich inzwischen eingentlich recht gut auskenne und meine Strecken auf der Karte vorausplane (Im Kopf zu wissen, dass hinter dem Höhenzug dahinten Dorf XY liegt, und es vom Bauchgefühl her zu realisieren, sind nämlich gottseidank zwei ganz verschiedene Paar Schuhe…
).
So.
Aber was soll das ganze Gelaber denn jetzt eigentlich (mag sich der ungeduldige Leser nun zurecht fragen)?
Ganz einfach (,lieber ungeduldiger Leser), heute hatte ich eine Tour geplant, auf die das oben beschriebene Phänomen haargenau zutrifft:
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29. Juni 2008
Vorhin habe ich mit Jost telefoniert, um rauszufinden, wann und wo wir heute unseren Sonntagslauf machen.
Antwort: Gar nicht.
Stattdessen meinte er, dass es ihm im Moment sowohl an Fitness als auch an Motivation mangele, und er deshalb erst kleine Besinnungspause bräuchte, und sich danach lieber erst mal ein paar Wochen lang wieder eine gewisse Grundkondition erarbeiten möchte, bevor wir wieder zusammen laufen.
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27. Juni 2008
Heute war einer von diesen (zumindest an der Bergstrasse) ganz seltenen Tagen mit glasklarer Fernsicht - der gesamte West- und Nordrand der Rheinebene war gestochen scharf zu erkennen, nicht nur die Silhouetten der Höhenzüge, sondern sogar einzelne Details auf ihren Flanken.
Das will natürlich ausgenutzt sein, deswegen heute auf dem Programm: Zum Fernsichtgeniessen auf den Melibokus. Und zwar nicht irgendwann - um noch Eins draufzusetzen, wollte ich versuchen, pünktlich zum Sonnenuntergang am Gipfel zu sein. Der Himmel hing wieder voll mit diesen hohen, imposanten, dunklen Wolken, mit etwas Glück würde die Sonne noch mal kurz vor dem Untergehen unter denen hervorlugen und alles in spektakuläres Abendlicht tauchen.
Hoffte ich zumindest.
Um das erhoffte grandiose Schauspiel Festzuhalten packte ich sogar ausnahmsweise den ausgeliehenen Digitalfoto meiner Eltern mit ein - gerade vor kurzem hat mir jemand geschrieben, man müsse “seinen Bloglesern ja auch was bieten”, na also bitte…
Also: Route geplant (über Schleichwege auf halber Höhe um den Gipfel und dann von Süden rauf, ca. 7 bis 8 km) und getimed (7 bis 8 km am Berg, das sind ca. 50 Minuten bei normalem Tempo, noch fünf Minuten zur Sicherheit drauf, Sonnenuntergang ist um 21:38, Startzeit also gegen 20:40), sollte machbar sein.
Als ich gerade loslaufen wollte, gab´s allerdings noch eine kleine Komplikation.
Die saß direkt vor dem Hoftor, war schwarz, struppig, roch etwas schal, und glotzte mich grinsend mit einem erwartungsvollen “Hey, wo gehen wir denn jetzt hin”-Blick an.
Nemo wollte mit.
So dringend, dass er mich gar nicht aus dem Tor lassen wollte.
Hum.
Normalerweise darf er das ja nicht im Sommer, weil´s zu heiss für kleine Hunde ist, die nicht richtig schwitzen können und deren dichtes, dickes, dunkles Fell vor allem dazu konzipiert ist, die Wärme drinzuhalten.
Aber heute war´s trüb, und kühl (etwas unter 20 Grad) und windig, und Nemo platzte fast vor Enthusiasmus.
Also gut, von mir aus.
Nemo durfte mitkommen.
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26. Juni 2008
Normalerweise wäre ich ja gestern schon losgezogen.
Aber ich war heute mit Jost zum Laufen verabredet, deswegen hab´ ich verzichtet.
Jost hat dann natürlich mal wieder auf den letzten Drücker abgesagt. Eigentlich ganz normal, macht er eigentlich immer wenn mal unter der Woche laufen wollen - Mal ist er nicht ganz so fit, mal muss er kurzfristig beruflich weg, mal hat seine Ex angerufen und er muss ganz unbedingt sofort einen Kaffee mit ihr trinken gehen… na ja, Sport (außer Fußball in der Glotze
) hat bei ihm im Moment offensichtlich keine besonders hohe Priorität (was irgendwie ein bisschen lustig ist, weil er andererseits ständig rumjammert, dass er so dick und unfit geworden wäre)…
Also musste ich am Dienstagabend noch schnell umdisponieren: Die Strecke, die ich mit Jost gelaufen wäre (Alsbacher Schloss, Comoder Weg, Herrenweg), war mir eigentlich zu kurz und außerdem wollte ich sie nicht ohne Jost “verbrauchen”, da musste was Anderes her. Nach kurzem Stöbern in meinem Archiv geplanter Läufe entschied ich mich für eine spannende mittellange Tour auf obskuren Nebenpfaden am Felsberg, auf die ich schon ziemlich gespannt war, und nahm mir vor, sie gleich heute morgen abzulaufen.
Heute morgen war´s dann aber furchtbar schwül und drückend.
Nein, halt, das stimmt so nicht, eigentlich war´s FURCHTBAR SCHWÜL UND DRÜCKEND !!!
Allein schon der Schritt vor die Haustür fühlte sich an, als würde man eins mit einem Brett übergezogen kriegen (und das in einer Sauna).
Da ging gar nix, ich verschob ich die Tour auf nach dem Gewitter, das angesichts solch einer Wetterlage unweigerlich komme musste.
Fast forward bis zum Abend: Semiapokalyptisches Unwetter vorbei, Himmel bedeckt mit turmhohen grummelnden Wolken, immer noch unheimliche Luftfeuchtigkeit, aber immerhin etwas kühler.
Besser würde es heute nicht mehr werden. Also los, ab auf die Kuralpe zum Start.
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22. Juni 2008
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22. Juni 2008
Nanu?
Ein zweiter Laufbericht an einem Tag, an dem schon einer gepostet wurde?
Ja gibt´s denn sowas?
Yup. Das gibt´s.
Das war nämlich so:
Irgendwie hat mich der sehr kurze, sehr langsame Lauf heute morgen mit Jost hat nicht so ganz ausgelastet. Da wär´ von meiner Seite noch einiges gegangen, so war´s nicht mal so richtig anstrengend (Jost: Das ist jetzt überhaupt kein Vorwurf an dich, bitte nicht falsch verstehen!)
Das wär´ ja nicht weiter schlimm gewesen, aber dadurch dass es nur acht anstatt der geplanten elf Kilometer waren, hätte ich außerdem auch mein - ohne hin ja sehr gemäßigtes - Wochenziel verfehlt:
Sollten ja eigentlich 40 Wochenkilometer werden, aber am Ende wären es so nur 38,8 km geworden.
Das hat mich den ganzen so ein bisschen gewurmt.
Bis heute abend um halb Neun.
Da hab´ ich dann spontan beschlossen, dass ich jetzt einfach nochmal einen ganz kurzen Lauf machen würde, um das Wochenpensum zu erfüllen.
Mal was Neues: 2 Läufe an einem Tag hab´ ich noch nie niemals nicht jemals irgendwann gemacht. Hat sich irgendwie noch nie ergeben - aber ich war fit und hatte Lust, also warum nicht?
Eben!
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22. Juni 2008
Sonntagslauf mit Jost.
Weiterhin eher flach und kurz, da bot sich mal wieder der Jägersburger Wald an - nachdem wir´s vor zwei Wochen nicht bis nach Maria Einsiedel geschafft hatten, hatte ich heute eine nette 11-km-Strecke rausgesucht, mit der wir das nachholen können würden - Parkplatz Venuleth-Schneise bis zum Winkelbach, dann via Riedlinie nach Maria Einsiedel, weiter nach Gernsheim, von da aus dann durch den Wald nördlich der L3112 zurück.
Sah ganz gut aus, hatte aber einen Schwachpunkt: Viel offenes Gelände. Nicht ideal bei 28+ Grad schwüler Hitze und prallem, gnadenlosen Sonnenschein. Aber hey, war ja nicht weit…
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